Die Nacht verläuft recht außergewöhnlich. Es ist arschkalt, und ich
wache ständig auf, schlafe schließlich komplett angezogen und mit
zwei Paaren Socken in meinem Schlafsack. Während der Nacht wird der
Wind so stark, dass ich mehrmals das Zelt verlassen und die Heringe
wieder in den sumpfigen Boden hauen muss, weil der Wind sie herausgerissen
hat. Ich freue mich, dass ich mir vor dem Urlaub ein neues Zelt gekauft
habe, denn das alte hätte diese Strapazen ganz sicher nicht überstanden.
Gegen 10 Uhr breche ich auf, und um elf stehe ich auch schon auf der Anhöhe
vor dem Basejavri, lasse mich vom Wind beinahe umpusten und genieße die Aussicht
auf den See und die hinter ihm liegenden Gletscher.
Gletscher am Basejavri
Der Abstieg zum See gestaltet sich zunächst unproblematisch, gelegentliche rote
Steine weisen mir den Weg. Aber plötzlich gibt es keine Markierung mehr, statt
dessen einen Mini-Gletscher, direkt vor mir. Scheiße! Ich versuche das Eis zu
umgehen, scheitere aber an der angrenzenden Steilwand. Da ich überhaupt keine
Bergausrüstung dabei habe (und außerdem auch nicht besonders erfahren im alpinen
Bergwanden bin), wäre es jetzt das Sinnvollste, umzukehren. Aber wer mich kennt,
weiß, dass ich das nicht kann.
Der Weg, der eigentlich einmal über das Eisfeld führte, ist im Laufe des Sommers
an vielen Stellen weggebrochen. Es ist kaum noch Schnee da, sondern nur noch Eis.
Ich halte mich mit den Händen an der Oberkante des Eises fest (natürlich habe ich
keine Handschuhe mitgenommen! -- wozu auch im Sommer?) und bewege mich dann liegend
über das Feld. 15 Minuten für 100 Meter! Ein Weltrekord! Obwohl das Eis unter mir
mehrmals einbricht, schaffe ich es schließlich, lebendig auf die andere Seite des
Eises zu gelangen.
Toller Blick ins Tal
Ich erreiche eine Anhöhe, die mir ein wundervolles Panorama auf den Beisfjord bietet
und mir alle Todesangst, die ich in der letzten Stunde habe ausstehen müssen,
reichlich vergütet. Der folgende Abstieg ins Tal ist fürchterlich: Blanker Stein,
über den tausend kleine Rinnsale laufen. Ich rutsche wenigstens 50mal aus, und
mir tut alles weh.